Entscheidungen unter Unsicherheit: Was Gründer von Wahrscheinlichkeitsrechnung lernen können

Entscheidungsbaum als Symbol für kalkuliertes Handeln

Jede Unternehmensgründung ist ein Schritt ins Unbekannte – ähnlich wie bei Strategiespielen geht es darum, mit unvollständigen Informationen kluge Entscheidungen zu treffen und Chancen und Risiken nüchtern abzuwägen.

Unsicherheit ist der Normalzustand

Wer ein Unternehmen gründet, weiß nicht, wie viele Kunden kommen werden, wie sich der Markt entwickelt oder welche Kosten unerwartet auftauchen. Diese Unsicherheit lässt sich nicht beseitigen – aber sie lässt sich strukturieren. Der Unterschied zwischen einem überlegten Gründer und jemandem, der auf Glück hofft, liegt in der Art, wie mit Unsicherheit umgegangen wird.

Mathematiker und Ökonomen beschäftigen sich seit Jahrhunderten mit der Frage, wie rationale Entscheidungen unter unvollständigen Informationen aussehen. Die Erkenntnisse aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung und Entscheidungstheorie sind in vielen Bereichen anwendbar – auch in der Unternehmensgründung.

Erwartungswert: Was zählt wirklich?

Das Konzept des Erwartungswerts ist einfach: Man multipliziert den möglichen Gewinn (oder Verlust) mit der Wahrscheinlichkeit, dass er eintritt. Eine Entscheidung mit einem positiven Erwartungswert ist langfristig vorteilhaft – auch wenn sie im Einzelfall schiefgeht.

Für Gründer bedeutet das: Eine Investition in Marketing, die in 60 Prozent der Fälle zwei neue Kunden bringt und in 40 Prozent nichts, hat einen positiven Erwartungswert – solange der Gewinn aus zwei Kunden die Marketingkosten übersteigt. Wer Entscheidungen nach diesem Prinzip trifft, macht systematisch bessere Entscheidungen, unabhängig davon, wie der Einzelfall ausgeht.

Varianz: Wie viel Schwankung ist tragbar?

Neben dem Erwartungswert spielt die Varianz eine wichtige Rolle. Zwei Strategien können denselben Erwartungswert haben, aber sehr unterschiedlich schwanken. Eine Gründerin mit geringen Rücklagen sollte eine Strategie mit niedriger Varianz wählen – auch wenn der Erwartungswert minimal schlechter ist. Eine riskante Strategie kann das gesamte Kapital in einem schlechten Monat aufzehren.

Dieses Prinzip kennen auch erfahrene Spieler von Glücksspielen. Wer an einem Spielautomaten (Slot) spielt, weiß, dass die Auszahlungsrate (RTP – Return to Player) unter 100 Prozent liegt – typischerweise zwischen 92 und 97 Prozent bei lizenzierten Anbietern. Das bedeutet: Langfristig verliert der Spieler. Wer trotzdem spielt, sollte nur Geld einsetzen, das er entbehren kann, und sich ein festes Limit setzen. Für Erwachsene ab 18 Jahren, die diese mathematischen Grundlagen kennen, ist Glücksspiel eine Form der Unterhaltung mit bekanntem Risiko – ähnlich wie ein Konzertticket oder ein Kinobesuch.

Der entscheidende Unterschied zum Unternehmertum: Beim Slot ist die Ausgangslage fix und unfavorable. Bei der Unternehmensgründung kann man durch Qualität, Netzwerk und Strategie den eigenen „Erwartungswert" aktiv verbessern.

Sunk Cost: Vergangenes loslassen

Ein klassischer Denkfehler beim Entscheiden ist der Sunk-Cost-Irrtum: Man hält an einem Projekt fest, weil man bereits viel Zeit oder Geld investiert hat – obwohl alle Zukunftsprognosen negativ sind. Das vergossene Geld ist weg, unabhängig davon, wie man jetzt entscheidet. Nur die zukünftigen Chancen und Risiken zählen.

Gründerinnen und Gründer, die diesen Irrtum kennen, können leichter Korrekturen vornehmen: ein Produkt einstellen, das nicht funktioniert; einen Markt verlassen, der sich nicht erschließt; eine Partnerschaft beenden, die keinen Mehrwert bringt.

Optionen offenhalten

In der frühen Gründungsphase zahlt es sich aus, Entscheidungen reversibel zu halten, wo immer möglich. Wer einen Jahresvertrag für ein teures Software-Tool unterschreibt, bevor er weiß, ob es sich bewährt, gibt sich unnötig Spielraum auf. Wer zunächst auf Monatsabonnements setzt, zahlt mehr pro Monat – hat aber die Möglichkeit, ohne Verlust die Richtung zu ändern.

Diese Logik – kleine Kosten für erhaltene Flexibilität – ist ein Grundprinzip des Risikomanagements. Optionen haben einen Wert, auch wenn man sie nie ausübt.

Entscheiden lernen

Gute Entscheidungen unter Unsicherheit lassen sich trainieren. Ein einfacher Anfang: Entscheidungen dokumentieren und im Nachhinein auswerten. Was war die Ausgangslage? Was wurde erwartet? Was trat ein? Nicht jede gute Entscheidung hat ein gutes Ergebnis – und nicht jede schlechte Entscheidung ein schlechtes. Wer das auseinanderhält, lernt systematisch aus Erfahrung.